Rennsteiglauf
pure-run.de von und mit Carsten Stegner
     

 

Bike & Run Marathon Coburg

am 19.07.2008

Strecke: 42,2 km / 600 Höhenmeter

1. Permanent-Marathonstrecke Deutschlands auf Asphalt, Forststraßen und Waldwegen

Start und Ziel direkt an der Sporthalle des TSV Lützelbuch

Runner
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Die Idee zur Teilnahme am Bike & Run Marathon in Coburg kam von Nicole, meiner Frau. Sie wollte gerne "mal mehr in meinem Hobby eingebunden werden" und fand es eine gute Idee, gemeinsam bei diesem Wettkampf zu starten. Ob sie es nicht wusste, dass der Sinn bei diesem Wettkampf der ist, sich beim Radfahren und Laufen abzuwechseln, sodass immer ein Partner sich erholen kann sei dahingestellt. Jedenfalls war für sie von Anfang an klar, dass sie Fahrrad fährt und ich laufe...

Zwei Wochen vor dem großen Tag stand das Projekt jedoch schon kurz vorm Scheitern. Zum Training absolvierten wir die erste (große) Runde. Hierbei bekam Nicole zum ersten Mal zu spüren um welch anspruchsvolle Strecke es sich handelt. In der Tat hat es der Radfahrer schwer an so manchen Steigungen (Berg zur Veste Coburg) am Läufer dranzubleiben. Völlig entkräftet und entmutigt beendeten wir nach 33 Kilometern das Training.

Doch versprochen ist versprochen. Am großen Tag herrschte optimales Laufwetter. Es hatte geregnet und schön abgekühlt. Nicole, dem Sonnenkind, wären ein paar Grad mehr sicher recht gewesen, doch im ersten Wettkampf ihres Lebens wird sie noch merken, dass man auch bei diesen Temperaturen ins schwitzen kommt.

Selbstverständlich hatte ich mir eine Taktik ausgedacht und auch die Hoffnung dass dieser Marathon in gut drei Stunden zu bewältigen sein müsste. Mit dieser Zeit könnten wir im Vergleich zum Vorjahr zumindest um den 2. Platz in der Mixed-Wertung mitlaufen. Die Taktik sah vor, dass Nicole mit dem Fahrrad ihr eigenes Rennen, sprich Tempo, fährt, sodass sie sich an den Bergen Zeit lassen kann und in der Ebene bzw. Bergab Zeit gut macht. Die letzte Runde (9 km) sollten wir gemeinsam zurücklegen um uns gegenseitig noch zu pushen.

Um Unfälle zwischen Radlern und Läufern zu vermeiden, starteten die Radfahrer 3 Minuten vor den Läufern um nach gut einem Kilometer, in einer lang gezogenen Reihe stehend, auf ihre Partner zu warten und ggf. schon den ersten Wechsel vorzunehmen. Das Fahrrad muss hierbei persönlich übergeben werden. Das Tragen eines Fahrradhelmes ist obligatorisch.

 

Start der Radfahrer

Start der Läufer

     

 

Bikerin Nicole

 

 

Integriert im Konkurenzteam

 

 

Nicole fuhr an dieser Stelle bereits weiter um sich einen entsprechenden Vorsprung zu sichern. Sie fuhr in Begleitung von Bernd Völk, den wir am Start trafen. Somit war sie nicht alleine und ihre größte Angst vorm Verfahren unbegründet. Ich reihte mich ca. an der 10. bis 15. Stelle ein. Die ersten Teams, allen voran Ralf Stejskal und Jens Fleischhauer gaben mächtig Gas, wovon ich mich als "Alleinläufer" nicht beeindrucken lassen durfte. Erst nach ca. 5 km am Flugplatz Steinrücken konnte ich mich richtig positionieren. Bis dahin kam ich mir vor wie bei einem Intervalltraining. Die Teams rasten zum Teil an mir vorbei, wurden wieder langsamer, wechselten und gaben wieder Gas. Ich versuchte mich dadurch aber nicht aus dem Konzept bringen zu lassen und lief mein Tempo gleichmäßig durch. Bei besagtem Kilometer merkte ich allerdings, dass ich deutlich schneller als die geplanten 4:20 min/km unterwegs war. Das 5 km Schild erreichte ich nach 19:53 min. Gut, dachte ich mir, langsamer wirst du von alleine und somit nahm ich zunächst, da es bergab nach Creidlitz ging auch kein Tempo heraus. So langsam fiel den anderen Teams auch auf, dass ich nicht in Begleitung eines Radfahrers war und noch keinen Wechsel vollzogen hatte. "Meine Partnerin hat ihre Laufschuhe vergessen" oder "ich weiß auch nicht wo mein Partner wartet..." waren meine Antworten. Auf den Weg nach Ketschendorf traf ich zum ersten Mal auf das Team 48er Mix Power mit Anke Härtl und Michael Sauer. Sie galten als Favoriten in der Mixed-Wertung. Ich kam mit ihnen ins Gespräch und versuchte so lange wie möglich an ihnen dran zu bleiben. Zumindest solange bis wir die zwei noch vor uns liegenden Mixed-Teams überholt hatten. Bereits bei der ersten Verpflegungsstation nach ca. 11 km, unterhalb Ahorns hatten wir einige Teams, die sich im Tempo wohl etwas verschätzt hatten, überholt. Auch der Abstand zum ersten Team veränderte sich nicht mehr gravierend. Ich fühlte mich sehr gut, ließ die Verpflegung aus, da ich einiges an Ultra-Buffer und Gel-Chips bei mir hatte und lief relativ flott den Hügel in Richtung Wüstenahorn hoch. Oben dann eine Überraschung. Nicole und Bernd warteten auf mich um mich zu verpflegen. Ich lehnte dankend ab und gab zu verstehen, dass sie unbedingt weiterfahren sollen. Immer noch im gleichen Tempo unterwegs lief ich immer weiter nach vorne, wurde am Wolfgangsee von der dortigen Sambaband ordentlich angefeuert und begab mich nach der Kleingartenanlage in den steil ansteigenden Singletrail.

Oben angekommen, auf Wald und Forstwegen vorbei an Feldern immer wieder den Blick in Richtung Veste Coburg werfend, welche wir im großen Radius umrundeten. Konditionell lief alles Bestens und die Unterhaltung mit Anke und Michael war ebenfalls angenehm. Sie erwarteten allerdings, dass ich endlich langsamer werden würde... ;-) Doch diesen Gefallen tat ich ihnen nicht. Im Callenberger Forst überholten wir dann endlich das bis zu diesem Zeitpunkt führende Mixed-Team. Vor diesem wollte ich unbedingt bleiben. Am Schloss Callenberg vorbei bergab - Anfeuerungsrufe von meiner Mutter Elsbeth und Vater Klaus, wieder mal die Verpflegung ausgelassen, diesmal aber nicht freiwillig, sondern weil dies einen Umweg bedeutet hätte, den ich bei dem Tempo bergab nicht in Kauf nehmen wollte. Ja, das wäre der Vorteil, wenn dein Partner mit dem Fahrrad bei dir ist... So langsam wird es schwerer und bald kommt meine Hassstrecke, die ich im Training so oft verflucht habe, da immer Gegenwind war und die Gerade an der Baustelle zum Goldbergsee nicht aufhören will. Zum Glück eine neue Begleitung. Stephan Bayer ist mit dem Fahrrad hier. Eigentlich um Anke und Michael anzufeuern. Wir haben uns schon jahrelang nicht gesehen und es gibt einiges zu erzählen. Somit ist auch dieses Teilstück geschafft. Es geht wieder nach Coburg rein. Ich bereite mich vom Kopf schon mal auf die nächsten zwei kleinen Anstiege vor. Ein kurzer knackiger und ein etwas längerer kurz vor der HUK-Coburg. Dort erwarten uns Athleten wieder einige Zuschauer und Verpflegung. Uli Zetzmann, der zuvor auch schon am Wolfgangsee stand, feuerte mich ordentlich an. Die Stimmung hier tut gut und gibt Kraft für die nächsten Kilometer. Ich bringe ein bisschen Abstand zwischen mich und dem 48er Mix Power Team. Jetzt kommt eine Schlüsselstelle: Ist die Schranke der Bahnlinie Coburg - Sonneberg offen? Ja! Zum Glück! Auf der leicht abschüssigen Strecke in Richtung Rosenauer Straße heißt es jetzt Tempo machen und sich auf den schwersten Berg - hoch zur Veste Coburg - vorzubereiten. Wo ist eigentlich Nicole? Geht es ihr gut? Ist sie schon oben? Jetzt wird es mal Zeit was Neues zu probieren... Eine Salzkapsel. Da ich in der Vergangenheit häufig Krämpfe aufs Ende zu bekam, wollte ich nun testen ob die Salzkapsel dies verhindert. Vorbei am alten Kino, jetzt am Rittersteich und schon beginnt der Berg. Gleichmäßigen Schritt finden. Oberkörper vor, Arme mitnehmen. Läuft prima... Hm, denkste... Die Salzkapsel war wohl doch nicht so gut. Ich bekomme Magenkrämpfe. Vielleicht habe ich zu wenig dazu getrunken. Also schnell noch den Rest meiner Vorräte leeren. In der Mitte des Anstieges sehe ich plötzlich Bernd mit dem Fahrrad von Nicole. Verdammt, hat sie es doch nicht geschafft... Was ist passiert? Geht es ihr gut? "Alles OK" ruft sie. Aufatmen! Das was ich zu wenig getrunken habe, hat sie scheinbar zu viel getrunken. Am Berg hinunter nach Lützelbuch werden sie mich wieder einholen.

 

Veste Coburg

 

 

 

 

Carsten bei km 25 (HUK-Coburg)

 

Kilometer 30 ist geschafft und der Berg zur Veste auch gleich. Der Magen erholt sich auch wieder, prima! Nochmal durchatmen und den letzten Anstieg hoch zum Flugplatz. Hier könnte mal jemand stehen und mich anfeuern. Das hätte ich jetzt nötig. Ich bin alleine - was aber auch heißt, dass ich einen fast schon beruhigenden Abstand zwischen mich und Anke mit Michael gebracht habe. Jetzt geht es bergab. Zunächst nur leicht dann ziemlich steil Richtung Rögen und rechts an nach Lützelbuch. Ich lauf am Start-Ziel-Bereich vorbei. Die Stimmung ist super. Los, noch 9 km, das Schlimmste ist rum. Ich sehe auf die Uhr; Wahnsinn, 2:10 Std., das laufe ich unter 3 Stunden... Doch das Bergablaufen ist mir nicht bekommen. Es war zu schnell ich finde nicht mehr in den Tritt. Das werden unheimlich lange neun Kilometer...

 

Nicole und Bernd kommen wieder. Nicole schaut auch schon recht fertig aus. Ich sage zu ihr sie soll weiterfahren, bevor sie am Ende beim letzten Anstieg vorm Ziel schlapp macht. So kann sie es sich noch ein bisschen einteilen. Eigentlich bräuchte ich jetzt jemanden, der mit mir die letzten Kilometer bestreitet. Naja, da komm ich schon durch. Hügel hoch über die neue A73, Schwiegereltern probieren sich im Anfeuern. Danke, tut gut. Hügel wieder runter, nach rechts, Feldweg, Wiese, es geht schwer zu laufen, aber da müssen alle durch. Vorne sehe ich immernoch Nicole und Bernd. Nici tut sich auch schwer auf diesem weichen Untergrund zu fahren. Sie wird mich verfluchen... Mist wo war das 35er Schild? Habe ich es verpasst oder bin ich noch nicht so weit? Nein, so langsam kann ich nicht sein. Oder doch? Es geht in den Wald. Das letzte Mal als ich hier gelaufen bin war alles vereist. Wintermarathon am 6. Januar. Damals fast ohne Training nach langer Krankheit. Ich fühle mich jetzt genau so beschissen wie damals... Los weiter geht es. Von hinten höre ich jemanden näher kommen. Hoffentlich nicht Anke. Ich drehe mich nicht um - aus rein psychologischen Gründen. Sie kommen näher, ich weiß, dass ich nicht dranbleiben kann, wenn sie an mir vorbeiziehen... Da sind sie. Zum Glück, ich werde zwar überholt aber nicht von Anke und Michael. Wir kommen wieder aus dem Wald heraus laufen durch Neu-Neershof. Dann die scheinbar endlose Gerade wieder zurück nach Lützelbuch. Anke ist immernoch nicht da. Aber ich bin in ihrer Sichtweite und sie kommen näher. Am letzten Anstieg höre ich Michael auf dem Fahrrad Anke als Läuferin anfeuern: "Los den packst du! Zieh an! Du hast ihn gleich!" Nein, sie packt mich nicht! Ich bin vor ihr auf der Kuppe und dann nur noch hinunter 1000 Meter ins Ziel. Ich schaffe es vor ihnen... ERSTER! Erster auf der Kuppe. Doch meine Konkurrenten machen nochmal einen Wechsel. Im Sprinttempo zieht Michael an mir vorbei, Anke auf dem Fahrrad hinterher. Unten hatte sie ihn schon wieder überholt und es folgt der letzte Wechsel vor dem Ziel. Den Vorsprung hohle ich nie mehr ein. Entkräftet lasse ich nach. Unten wartet Nicole. Es tut mir leid, dass ich nicht dranbleiben konnte, gerne hätte ich Nici den Sieg gegönnt, hat sie doch bei ihrem ersten Wettkampf auch alles gegeben. Kurz vor dem Ziel muss es uns ein Männerteam auch noch beweisen und überspurtet uns mit Körperkontakt in letzten Kurve vorm Ziel, Respekt meine Herren!

Wir trudeln umarmend ins Ziel. Glückwunsch, Nici, du warst spitze!

In 2:48:30 Std. haben wir den Coburger Marathon bewältigt und füreinander hat jeder das Letzte aus sich heraus geholt.

Die Siegerehrung war ein gemütliches Zusammensitzen bei Livemusik und ging bis spät in die Nacht.

Bis zum nächsten Mal!

 

Hinunter nach Lützelbuch

Kurz vorm Ziel

Im Ziel - Geschafft!

     
Informationen zur Strecke und Veranstaltung, sowie Ergebnisse